Klangmuster des Jahres 2010

Da ich mit den Album-Reviews etwas hinterher hinke, sehe ich diesen Jahresrückblick als gute Gelegenheit einige Bands und ihre Alben doch noch zu würdigen. Danke auch an Martin von vinyl-galore, der den kollektiven Jahresrückblick Top of the Blogs 2010 in diesem Jahr organisiert hat. So hat er mir damit zumindest schon einmal vor Augen gehalten, dass es doch zahlreiche andere Hobby-Musikblogger dort draußen gibt, die ihre Finger mehr oder (oft leider) weniger Wund schreiben. Man mag sich über diese Bloggerzunft streiten, sich über Linkschleuderer aufregen, ich finde Zusammenhalt jedoch gerade zum sentimentalen Ende des Jahres ganz erfrischend. Aber kommen wir zum eigentlichen, dem Jahrespoll.
Ich bin zwar ein Verfechter von Listen, davon fliegen Hunderte bei mir herum: „noch nicht gehört“, „noch nicht gesehen“, „muss unbedingt noch erledigt oder besorgt werden“. Hier fällt es mir einfach, eine Reihenfolge zu erstellen: Wichtigkeit und Dringlichkeit geht vor.
Aber wie erstelle ich eine Reihenfolge meiner Lieblingsalben des Jahres 2010? Es war schon schwer genug sich für zehn Alben zu entscheiden, aber dann noch ranken? Ein Ansatz wäre die Häufigkeit, in der das Album gespielt wurde, als Kriterium heranzuziehen. Nun habe ich keine Strichliste geführt, dafür aber mein Last.FM-Account für mich. Hier fehlt jedoch ein ganz bedeutend großer Anteil an Vinyl-Umdrehungen, die über diesen Weg nicht mitgezählt werden können. Mal außerdem abgesehen davon, dass die Spielhäufigkeit unter Umständen auch vom Erscheinungsdatum im Jahresverlauf abhängt. Fragwürdig ist auch, ob die Häufigkeit mit der Wichtigkeit/Bedeutung/Großartigkeit/Schönheit gleichgesetzt werden kann. Sicher spielt dies mit rein, im Grunde ist dies jedoch alles viel komplexer. Da ich ein sehr stimmungsgetriebener Hörer bin, variiert mein Geschmack zudem je nach Stimmung mitunter sehr stark. Seht mein Ranking also eher als aktuelle Stimmung an.

1. The Hirsch Effekt – Holon : Hiberno
Dieses vertrackte Album hat mich zunächst verschreckt, aber dann irgendwann in den Bann gezogen. Diese Unbändigkeit, die tiefsinnigen deutschen Texte, die Mischung aus Punk, Indie-Rock, Post-Rock, Elektro, Progessiv-Rock und Metal lassen mich nicht mehr los und haben es damit auf meinen ersten Platz geschafft. [Neue Klangmuster – The Hirsch Effekt]
2. Kvelertak – Kvelertak
Diese Kraft, diese Wucht, diese Spielfreude! Und live auch eine Empfehlung wert! [Neue Klangmuster – Kvelertak]
3. Her Name is Calla – The Quiet Lamb
Dieses Album birgt Intensität und verlangt intensives Zuhören. Es ist kein Album für die Bahnfahrt und daher eine zeitlang viel zu kurz bei mir gekommen. Die 1h15min wollen aktiv gehört und bewundert werden und sie verdienen meinen absoluten Respekt. Bin ich in der richtigen Stimmung rühren mich Her Name is Calla zu Tränen. Noch ein paar Hördurchläufe und sie wären vielleicht direkt an der Spitze gelandet.
4. Deftones – Diamond Eyes
Eine Platte, die ich mit Spannung erwartet habe und die mich nicht enttäuscht hat. [Deftones – Diamond Eyes]
5. Villagers – Becoming a Jackal
Der Geschichtenerzähler Conon O’Brien schafft eine leicht morbide romantische Stimmung zwischen Nostalgie und Schwermut. Die Texte sind einmalig und seine Stimme auch. [Neue Klangmuster – Villagers]
6. Rocky Votolato – True Devotion
Kaum zu glauben, dass ich Rocky Votolato bisher noch nicht in meinem Blog erwähnt habe. Seine raue Stimme begleitet von simplem Gitarrenspiel reicht bereits um Gänsehaut bei mir zu erzeugen. Das Album ist ein Traum für ruhige Stunden, dem Mann kann ich stundenlang zuhören.
7. Collapse Under The Empire – The Sirens Sound
Meine Hamburger Lieblings-Post-Rocker dürfen mit ihrem in diesem Jahr erschienenen Album auch nicht in meiner Liste fehlen . [Collapse Under The Empire – The Sirens Sound]
8. The Flatliners – Cavalcade
Meine letzte Entdeckung in diesem Jahr, die mir im Gaslight-Anthem-Taumel über den Weg gelaufen ist, deren Album es übrigens nicht in meine Top10 geschafft hat (da das Album einfach schwächer als die Vorgänger ist). Vielmehr habe ich mich für the Flatliners entschieden, die neu und frisch für mich sind und mit ihrer Mischung aus Punk, Rock, Melodycore und Reggae unheimlichen Spaß bereiten. [Neue Klangmuster – The Flatliners]
9. Philipp Poisel – Bis nach Toulouse
Philipp Poisel ist die zweite deutschsprachige Vertretung in meiner Top10. Wer hätte das gedacht, ich kaum! Den jungen Herrn habe ich bisher bei mir noch nicht vorgestellt und Tickets für das ausverkaufte Konzert in Hamburg auch nicht rechtzeitig besorgt. Zwei Faux-Pas‘, von denen ich leider nur einen wieder gut machen kann.
10. Two Door Cinema Club – Tourist History
Mit Two Door Cinema Club komplettiere ich meine Liste um einen richtigen Indie-Pop-Schmetterer. Die Band hat mich die gesamte Jogging-Saison hinüber begleitet und mich zu Höchstleistungen angetrieben und darf daher hier nicht unerwähnt bleiben.

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Ein Kommentar zu “Klangmuster des Jahres 2010”

  1. Kenne 4 deiner 10 Alben und bei denen unterschreibe ich sofort, dass sie wundervoll sind. Poisel hat wirklich ein feines Album gemacht, das hätte ich nicht in deiner Liste erwartet. Und bei Her Name is Calla geht mir sowieso das Herz auf. Deinen Platz 1 und 6 werde ich mir auf alle Fälle noch genauer anhören.

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