Die hohe Kunst der Unvollkommenheit

Während sich die Musikwelt weiter drehte, Prozesse zu Ende geführt wurden, ein Filesharing-Befürwortender Professor mit Blumen beschenkt wurde, die Online-Plattform für Konzert-Live-Übertragungen Fabchannel die Pforten schließen musste… habe ich mich für eine Woche aus dieser Welt zurückgezogen und fast nur dem Rauschen des Meeres gelauscht.

Nach so einem sanften kurzzeitigen Entzug ist die Vorfreude auf das Heimkehren in die Musikwelt groß. Das Aufholen des Verpassten ist schon nach einer Woche schier unmöglich. Nur die Highlights werden durch kurzes Überfliegen erspäht, alles andere verschwindet in der Versenkung. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf das Wesentliche und weicht doch immer wieder davon ab.
Wie oft passiert es mir, dass ich bei der Recherche für einen Eintrag plötzlich bei ganz anderen Sachen im Netz lande und anstatt die Recherche in die Tiefe zu treiben doch weiter an der Oberfläche taumle und nur das Spektrum erweitere, meine unendlichen Listen jeglicher und unsinniger Form vergrößere und schier ins Unendliche treibe. Ich verschwende Zeit. Ich trample abseits der Pfade, was ich nun auch mit diesem Eintrag tun werde. Seht es nicht als Zeitverschwendung, ich tue es bei meinen sinnlosen Listen, beim Hin-und-her-sortieren, beim Stöbern und Umsortieren in alten Schul- oder Uni-Sachen und jeglichen Krims Krams, den eigentlich kein Mensch mehr braucht (ich kann einfach Nichts wegschmeißen…) auch nicht.

Verschwendet selbst ab und an eure Zeit, nutzt sie jedoch anschließend wieder sinnvoll, indem ihr euch der Lektüre von Oliver Uschmanns Werken widmet – seines Zeichens Redakteur bei der Galore, Visions etc. und Autor der „Hartmut und Ich“-Reihe. Auch der vierte Teil „Murp“ ist ein gelungenes Werk zeitgenössischer Pop- bzw. Post-Pop-Literatur. Wieder einmal konnte ich meine Umwelt mit meinen beim Lesen auftretenden Gefühlsregungen (plötzliche Lachanfälle) verunsichern.
Dank dem Quotenblogger war mir die oft thematisierte Fernsehlandschaft z.B. bereits ausführlich bekannt und somit Anspielungen auf das Fernsehprogramm für mich umso lustiger: Von Peter Zwegat, über Wissenssendungen bis hin zu Frauentausch findet alles seine Erwähnung, auch neue lustige Formate wie „Deutschland sucht das Super-Schnitzel“ werden hier schon einmal vor-erfunden. Dabei bleibt nicht unerwähnt, dass alle diese Sendungen mit den ewig gleichen Songs untermalt werden. Häufige Wiederholungstäter sind im Buch „Surrender“, „Einfach sein“ von Fanta Vier und „Because of You“.

Neben dem Fernsehen befasst sich das Buch mit allen weiteren wichtigen Bereichen unseres alltäglichen Lebens und weist Gesellschaftskritik – jedoch ohne gehobenen Zeigefinger – auf. Dabei fließen zusätzlich der Schlankheits- und Fitnesswahn, die Konsumsucht, der Kapitalismus und die traditionelle Rollenverteilung mit ein oder wie mit den Worten von Rocko Schamoni:

„Hartmut ist die kulturpessimistische Trüffelsau dieses Romans. Die Nase stirntief im Müll unserer verfluchten deutschen Gegenwart, findet er treffsicher alles, was stinkt, und fördert es hervor, um es zu zerfleddern. Das wird uns nicht retten, aber bestätigen.“

Zum Buch gibt es übrigens auch einen offiziellen Song „MURP! Wie wir zu leben haben“, intoniert von Bosse. Leider steht dieses Lied dem Buch einiges nach und zeigt, dass Songlyrics-Writing nicht gleich Book-Writing ist. Die von Uschmann geschriebenen Lyrics finden eine holprige musikalische Untermalung, einzig der Refrain hat einen leichten Ohrwurmcharakter.

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